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Détournement Venise 2009

Jörg Heitsch Galerie am Gärtnerplatz | 27 Mai, 2009 14:54

Détournement Venise 2009 vom 07.06.2009 bis 22.11.2009

Im Rahmen der 53. Kunstbiennale von Venedig, 2009, präsentiert die Jörg Heitsch Galerie in Zusammenarbeit mit der Allianzkulturstiftung und der Deutsch-Italienischen Kulturgesellschaft von Venedig (ACIT) 

"Slava Seidel - Gedächtnistheater"

Abgründe und schwindelnde Höhen, Täuschung und Wahrheit gehen durch die malerische Alchimie Slava Seidels neue Verbindungen ein. Eine enigmatische und surreale Spannung durchdringt ihre Räume, in denen eine lyrische Zeit herrscht. Durch das kontrastreiche und abstrahierende Spiel in Sepia, der Farbtöne und Spiegelflächen, beschwört sie die zyklische Zeit des Gedächtnisses herauf, die Zeit des sich Verlierens und der Wiederkehr. Mit tiefer Ironie senkt der Pinsel den Mensch in die unheimliche Einsamkeit eines leeren Orchesters auf der Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit. In der Zeit der gnadenlosen Geschwindigkeit erneuert Slava Seidels Malerei die barocke Magie des Theater der Welt. Die Bilder der Künstlerin/Bühnenbildnerin triefen von Wasser, von einem Werden, dessen Vergangenheit in seinem Fluss kleine Rinnsale und Pfützen bildet, in denen undeutlich die Überreste zu erkennen sind, die die Zeit in Ihrer Eile zurückgelassen hat. Als wahrhaftig geistige Partituren halten die Bilder der ukrainischen Künstlerin in einem szenischen Spiel das Echo der Momente fest, die in den Abgründen des Gedächtnisses verschollen sind. Hier, im Zentrum des Gedächtnistheaters fragt sich der auf einen Schatten reduzierte Mensch vielleicht immer noch, ob „das Leben ein Traum ist“. Das Zeitalter, in dem der Mensch den Schatten, das Doppelte, das unendlich Kleine und die verstörende Weite des Raumes entdeckt hat, er einen Keil zwischen Wort und Ding, zwischen Subjekt und Objekt getrieben hat und das eigene Gesicht im Antlitz des Mondes entdeckte, kehrt in unsere megadynamische Jetztzeit zurück, um auf einer neuen Ebene seine vielfältige und traumhafte Bilderwelt auszubreiten. Zwischen den Kapriolen der Oberflächen, den geistreichen Spielen mit der Assoziation und dem Immateriellen der Malerei entsteht ein fließendes Reich der unbegrenzten Möglichkeiten. Aus einem „Impuls der keine Zwischenstation braucht und der direkt zum Ziel führt“ schafft Slava Seidel ein Reich, in dem alles fließt und rinnt. Mit der Sinnlichkeit ihres Pinselstrichs löst sie die Dinghaftigkeit des Objekts und die Starre des Blickes auf. Auf halbem Weg zwischen dem barocken Welttheater und Borges‘ Utopie der universalen Bibliothek gibt es in Slava Seidels Welt nur einen möglichen Haltepunkt: eine im leeren Raum schwebende Treppe. Überall: oben, unten, fern und nah ist alles in ständigem Fluss. Der Mensch steht an der Schwelle zwischen Illusion und Wirklichkeit und an der düsteren Grenze zwischen einem schwindelerregenden Abgrund und der Vorahnung eines unklaren Jenseits.

Enrica Puggioni

Weitere Infos:
Eröffnung: 05.06.2009, 17 Uhr

Palazzo Albrizzi

Cannaregio 4118

30131 Venezia, Italia
t +39 041 523 25 44

f +39 041 524 52 75

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